#WasKannLiteratur

Eine öffentliche Spurensuche

Im Jänner 2020 wird – herausgegeben vom Netzwerk mitSprache – eine Sondernummer der Literaturzeitschrift kolik erscheinen, in der sich AutorInnen, KritikerInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen sehr individuell mit der Frage #WasKannLiteratur auseinandersetzen.

In ihren Beiträgen folgen sie der Einladung der österreichischen Häuser der Literatur, sich mit den Antworten der landesweiten Publikumsbefragung zu beschäftigen und auf Grundlage dieser eigene Texte entstehen zu lassen.

Im Herbst 2018 stellten die Österreichischen Häuser der Literatur im Rahmen ihres Netzwerks mitSprache dem Lesepublikum die Frage »Was kann Literatur?«.

Auf Postkarten, die an vielen öffentlichen Plätzen auflagen, im Blog mit-sprache.net, über Werbeeinschaltungen in Printmedien, aber auch im Rahmen unzähliger Literaturveranstaltungen wurden interessierte LeserInnen eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. Zahlreiche Menschen folgten dem Aufruf und gaben ihre ganz persönlichen Antworten.

Jugendliche und Erwachsene waren darunter, Einzelpersonen und Schulklassen, Privatpersonen und Menschen aus dem Literatur- und Kulturbereich. Insgesamt wurden knapp 1.000 Einsendungen eingereicht – ein genauer und umfassender Einblick in die Vorstellungen und Wünsche der an Literatur Interessierten liegt nun vor.

Zehn ausgesuchte Antworten, die dieses bunte Spektrum spiegeln, wurden auf Postkarten gedruckt, die seit Juni 2019 in Auswahl zur freien Entnahme in den Österreichischen Häusern der Literatur aufliegen.

ALLE zur Veröffentlichung freigegeben Einsendungen finden Sie gesammelt in diesem Dokument.

Am 23. Oktober 2018 präsentierten die beteiligten Häuser im Rahmen eines gemeinsamen Aktionstags eine erste Auswertung dieser Publikumsbefragung. Zahlreiche AutorInnen waren eingebunden, darunter Radka Denemarková, Gustav Ernst, Martin Fritz, Agnes Maier, Ramona Pohn, Ilma Rakusa, Marlene Streeruwitz, Philipp Weiss, Josef Winkler und viele andere.

Lesen Sie hier den Nachbericht zum Aktionstag.

Henrike Blum
Literatur – Ideal und Gesellschaft

Enquete zur Literaturvermittlung in Österreich

Aktuelle Resultate

Im Herbst 2016 veranstalteten die Österreichischen Häuser der Literatur im Rahmen ihrer mitSprache in Wien eine zweitägige Enquete zur Literaturvermittlung.

Im Vorfeld wurden mehrere Umfragen unter Schreibenden, literaturvermittelnden Institutionen und dem Publikum in Auftrag gegeben, die im Rahmen der öffentlichen Tagung präsentiert wurden. Bis September 2018 werden alle Ergebnisseauf der mitSprache-Website veröffentlicht.

Der Enquete voran ging die Präsentation der gemeinsam herausgegebenen Anthologie „Zwischen Schreiben und Lesen“, die im Wiener Klever Verlag erschienen ist.

Auf Einladung der beteiligten Häuser befassten sich elf österreichische Autorinnen und Autoren in mitunter sehr persönlichen Beiträgen mit dem Arbeitsfeld Literatur.

Die versammelten Essays und Prosatexte stammen von Wolfgang Bleier, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Ludwig Laher, Teresa Präauer, Martin Prinz, Gerhard Ruiss, Margit Schreiner, Michael Stavarić, Marlene Streeruwitz, Bernhard Strobel und Erika Wimmer.

Am Podium der Enquete diskutierten zu den Themenfeldern „Welche Literatur in welcher Gesellschaft?“, „Kulturpolitik, Literaturförderung“, „Literaturvermittlung“, „Jugend, Bildung, Schule“, „Medien“, „Publikum, Rezeption“, „Literatur  im Umbruch/Aufbruch“:

Sandra Csillag, György Dalos, Walter Grond,  Karin Haller, Jochen Jung, Andrea Karimé, Volker Kirchberg, Peter Klein, Erwin Krottenthaler, Doris Moser, Katharina Perschak, Michael Pilz, Stephan Porombka,  Gerhard Ruiss, Gesa Schneider, Margit Schreiner, Daniela Strigl, Brigitte Schwens-Harrant, Michael Wimmer.

Die Ergebnisse wurden am Ende der Enquete von Markus Köhle und Mieze Medusa künstlerisch aufbereitet und zusammengefasst.

 

 

Eröffnung der Enquete durch BM Thomas Drozda und Präsentation der Anthologie „Zwischen Schreiben und Lesen“ von Edith Bernhofer, Tomas Friedmann und Robert Huez.


Podiumsgespräch – „Welche Literatur in welcher Gesellschaft?“ – mit Sandra Csillag, György Dalos, Walter Grond, Margit Schreiner und Jochen Jung, moderiert von Kristina Pfoser.

Im Plenum und im Gespräch: Kristin Jenny, Barbara Mayer, Sabrina Hergovich, Ulrike Längle, Ursula Ebel, Regina Pintar, Peter Fuschelberger, Robert Huez und Kurt Neumann.

Podiumsgespräch – „Kulturpolitik, Literaturförderung“ – mit Daniel Terkl und Michael Wimmer, moderiert von Manfred Müller.

Beitrag Michael Wimmer (PDF)

Podiumsgespräch – „Literaturvermittlung“ – mit Manfred Müller, Stephan Porombka und Gesa Schneider, moderiert von Tomas Friedmann.

Podiumsgespräch –„Jugend, Bildung, Schule“ – mit Karin Haller, Andrea Karimé und Erwin Krottenthaler, moderiert von Gabriele Stöger.

 

Podiumsgespräch – „Medien“ – mit Peter Klein, Michael Pilz und Brigitte Schwens-Harrant, moderiert von Klaus Kastberger.

Pilz-Giacomuzzi-Studie: Literaturberichterstattung (ergänzt ÖGfL)

Podiumsgespräch – „Publikum, Rezeption“ – mit Volker Kirchberg, Doris Moser, Katharina Perschak und Regina Pintar, moderiert von Ursula Ebel.

Zusammenfassung und Publikumsreaktionen: Performance von Markus Köhle und Mieze Medusa, anmoderiert von Barbara Mayer.

Podiumsgespräch „Literatur im Umbruch/Aufbrüche“ mit Klaus Kastberger, Doris Moser, Gerhard Ruiss, Margit Schreiner, Daniela Strigl und Michael Wimmer, moderiert von Kristina Pfoser.

Fotos: mitSprache/Lukas Dostal

Henrike Blum
Reden zur Situation

10 österreichische Schriftstellerinnen und Schriftsteller im öffentlichen Raum

Zehn österreichische SchriftstellerInnen erhielten 2011 den Auftrag, kritische Reden zur Situation auszuarbeiten und rund um den Nationalfeiertag 2012 an speziellen Orten in Österreich vorzutragen. Die Reden wurden medial begleitet, filmisch aufgezeichnet und via Internet (Blog in|ad|ae|qu|at von Christiane Zintzen) und DVD verbreitet.

Das Konzept und das Booklet für die DVD stammen von Christiane Zintzen.

Die Themen spannten sich von Justiz, Politik und Migration über lokale Missstände und Sport bis hin zu Fragen der Poetik. Dieses breite Spektrum spiegelte sich in den gewählten Schauplätzen, an denen die Reden in acht Bundesländern gehalten wurden: u.a. am Wiener Stephansdom und im Café des Mattersburgers Fußballstadions.

Die AutorInnen und ihre Reden – per Video aufgezeichnet und dokumentiert:

Sabine Gruber, Bodo Hell, Barbara Hundegger, Ludwig Laher, Richard Obermayr, Stefan Schmitzer, Margit Schreiner, Vladimir Vertlieb, Josef Winkler und Peter Waterhouse.

Henrike Blum
mitSprache unterwegs

Literarische Reportagen nach Joseph Roth

Die AutorInnen Christoph W. Bauer, Clemens Berger, Anna Kim, Radek Knapp, Lydia Mischkulnig, Martin Pollack, Doron Rabinovici, Peter Rosei und Sabine Scholl wurden 2010 im Rahmen des Projekts „mitSprache unterwegs“ beauftragt, sich reisend und schreibend mit der literarischen Gattung der Reportage auseinanderzusetzen.

Als ideeller Bezugspunkt dieses Projekts diente der Schriftsteller und Journalist Joseph Roth (1894 – 1939) mit seinen wechselnden Schreiborten (u.a. Galizien, Berlin, Wien und Paris) und Themen (z.B. Migration, Leben in Vorstädten, Minderheiten, technischer Fortschritt und Industrialisierung).

Die Reisen wurden von Christiane Zintzens Blog in|ad|ae|qu|at begleitet. Im Anschluss wurden die Beiträge und Reportagen der AutorInnen gesammelt und erschienen mit einem Vorwort von Ilija Trojanow unter dem Titel „mitSprache unterwegs. Literarische Reportagen“ in der Wiener Edition Atelier. Die Buchpräsentation fand im RadioKulturHaus in Wien statt und war der Auftakt zu einer landesweiten Österreich-Lesetour.

Henrike Blum
Literatur und Medien

Im Jahr 2007 fand an einem ausgerufenen Aktionstag in allen Österreichischen Häusern der Literatur, die zu diesem Zeitpunkt an mitSprache beteiligt waren, gemeinsam initiierte Veranstaltungen zum übergeordneten Thema „Literatur und Medien“ statt.

„Das kann ich auch! Literaturkritik im Zeitalter des Internets“ (Innsbruck), „Die Literatur und ihre Öffentlichkeit“ (Wien) und „Geschichte oder Story. Qualitäten des Erzählens“ (Graz) waren u. a. Gegenstand öffentlicher Vorträge und Gespräche, die geladene AutorInnen und LiteraturvermittlerInnen auf Einladung der Häuser miteinander führten.

 

Henrike Blum
Literatur und Identität

Im Jahr 2006 widmeten sich die Österreichischen Häuser der Literatur dem gemeinsamen Thema „Literatur und Identität“.

An einem ausgerufenen Aktionstag gab es Veranstaltungen u. a. zu „Mein Österreich“ (Salzburg), „Vom Boden unter den Füßen. Slowenische Literatur in Kärnten“ (Klagenfurt) und „Wo werde ich dich in der Fremde wiederfinden / Ashoufik wen ya mhagr“ (Wien).

 

Henrike Blum
Literarische Gedankenblitze im aufgezogenen Jubelgewölk

Essaypreise für Bettina Balàka und Franz Schuh im Jubiläumsjahr 2005

Im Jahr 2005 feierte die Republik Österreich den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Staatsvertrags.

Ergänzend zur offiziell organisierten Republikschau stifteten die Österreichischen Häuser der Literatur im Jahr 2005 eine Auszeichnung. Prämiert wurden veröffentlichte literarische Arbeiten, die sich mit der Feier oder „Selbstfeier“ der Republik Österreich auseinandersetzten.

Die Auswahl erfolgte durch eine Jury mit VertreterInnen der beteiligten Veranstalter. Die Dotation des Preises war mit insgesamt 5002, 00 Euro an das Thema - das Jahr 2005 - angelehnt.

Die Auszeichnung betonte die Relevanz des literarischen Wortes in der Gesellschaft und seine einzigartige Fähigkeit, differenziert Stellung zu nehmen.

PreisträgerInnen waren die österreichische Autorin Bettina Balàka und der Schriftsteller und Essayist Franz Schuh.

Die Preisverleihung fand in Anwesenheit zahlreicher VertreterInnen aus Kunst und Politik im Dezember 2005 im Literaturhaus in Mattersburg statt.

Henrike Blum
Literatur und Demokratie

 

Im Frühjahr 2004 beschlossen die Österreichischen Häuser der Literatur, gemeinsam eine österreichweite Veranstaltungsreihe zu organisieren. Einer Idee des Innsbrucker Literaturhaus am Inn folgend, wurde als Thema der Zusammenhang zwischen „Literatur und Demokratie“ gewählt. Mit dem in seiner Mehrdeutigkeit vieles ansprechenden Titel mitSprache sollte vor allem die Rolle der Literatur in der Gesellschaft betont werden.

Zahlreiche AutorInnen – Dimitré Dinev, Josef Haslinger, Radek Knapp, Robert Menasse, Anna Mitgutsch, Terézia Mora, Kathrin Röggla, Marlene Streeruwitz u.v.a. – meldeten sich in bundesweiten Lesungen und kulturpolitischen Diskussionen öffentlich zu Wort.

Die OrganisatorInnen verstanden die Veranstaltungsreihe als Reaktion auf zunehmende Einschränkungen des freien literarischen Wortes: Auf immer komplexer werdende Zusammenhänge wirtschaftlicher und politischer Machtstrukturen. Auf die zunehmende Orientierung an der Verkäuflichkeit und am Produktcharakter von Literatur. Auf den allgegenwärtigen medialen Zwang zur verkürzenden, plakativen Aussage.

 mitSprache wurde als eine Form des Widerstands gegen diese Entwicklungen konzipiert. Als Versuch, dem freien literarischen Wort durch die Zusammenarbeit von elf unterschiedlichen Organisationen eine polyphone und nicht zuletzt lautere Stimme zu geben.

In mitSprache schwingen mehrere Bedeutungsebenen mit: das demokratische Grundrecht eines jeden Staatsbürgers auf Mitsprache; die Möglichkeiten der Sprache als Grundinstrument demokratischen Verständnisses und Verstehens, deren Kultivierung als Basis für ein ständig sich erneuerndes Denken,  „das Freie Literarische Wort als Aufklärungs- und Erkenntnismittel“ (Kurt Neumann im Vorwort des Gemeinschaftsfolders 2004).

Heute definiert sich mitSprache als freier Zusammenschluss Österreichischen Häuser der Literatur, die vor gesellschaftspolitischem Hintergrund gemeinsam Projekte entwickeln und bundesweit umsetzen.

 

Henrike Blum