Literatur und Demokratie

 

Im Frühjahr 2004 beschlossen die österreichischen Häuser der Literatur, gemeinsam eine österreichweite Veranstaltungsreihe zu organisieren. Einer Idee des Innsbrucker Literaturhaus am Inn folgend, wurde als Thema der Zusammenhang zwischen „Literatur und Demokratie“ gewählt. Mit dem in seiner Mehrdeutigkeit vieles ansprechenden Titel mitSprache sollte vor allem die Rolle der Literatur in der Gesellschaft betont werden.

Zahlreiche AutorInnen – Dimitré Dinev, Josef Haslinger, Radek Knapp, Robert Menasse, Anna Mitgutsch, Terézia Mora, Kathrin Röggla, Marlene Streeruwitz u.v.a. – meldeten sich in bundesweiten Lesungen und kulturpolitischen Diskussionen öffentlich zu Wort.

Die OrganisatorInnen verstanden die Veranstaltungsreihe als Reaktion auf zunehmende Einschränkungen des freien literarischen Wortes: Auf immer komplexer werdende Zusammenhänge wirtschaftlicher und politischer Machtstrukturen. Auf die zunehmende Orientierung an der Verkäuflichkeit und am Produktcharakter von Literatur. Auf den allgegenwärtigen medialen Zwang zur verkürzenden, plakativen Aussage.

 mitSprache wurde als eine Form des Widerstands gegen diese Entwicklungen konzipiert. Als Versuch, dem freien literarischen Wort durch die Zusammenarbeit von elf unterschiedlichen Organisationen eine polyphone und nicht zuletzt lautere Stimme zu geben.

In mitSprache schwingen mehrere Bedeutungsebenen mit: das demokratische Grundrecht eines jeden Staatsbürgers auf Mitsprache; die Möglichkeiten der Sprache als Grundinstrument demokratischen Verständnisses und Verstehens, deren Kultivierung als Basis für ein ständig sich erneuerndes Denken,  „das Freie Literarische Wort als Aufklärungs- und Erkenntnismittel“ (Kurt Neumann im Vorwort des Gemeinschaftsfolders 2004).

Heute definiert sich mitSprache als freier Zusammenschluss österreichischer Häuser der Literatur, die vor gesellschaftspolitischem Hintergrund gemeinsam Projekte entwickeln und bundesweit umsetzen.

 

Henrike Blum